Sie träumen von einer glanzvollen Karriere als Superstar, reisen hunderte von Kilometern quer durchs Land und stellen sich einer prominenten Jury, die in nur wenigen Sekunden über Ruhm und Ehre oder Niederlage und Blamage entscheidet. Seit Popstars überfluten Castingshows das Abendprogramm wie kein anderes Fernsehformat.

Castingshows bieten vielen Talenten eine große BühneVon dem Neuseeländer Jonathan Dowling entwickelt und lizenziert wurde die erste Popstars-Staffel vor elf Jahren erstmals auf dem Sender RTLII ausgestrahlt. Die Jury bestand damals aus Simone Angel, Mario M. Mendryzcki  und Rainer Moslene, die eine noch nie dagewesene Girlgroup zusammenstellen wollte. Unter den rund 4.500 Bewerberinnen befanden sich auch Nadja Benaissa, Lucy Diakowska, Sandy Mölling, Vanessa Petruo und Jessica Wahls, die sich gegen ihre Konkurrentinnen durchsetzen konnten und das Popstars-Finale gewannen. Als „No Angels“ tourten die fünf Mädels fast drei Jahre lang durch Deutschland, verkauften fünf Millionen Platten und landeten vier Nummer-eins-Hits. Danach folgte bereits die Trennung, an die nur vier Jahre später ein fragwürdiges Comeback anknüpfte. Heute besteht die Band nur noch aus einem Trio, das hier und da ein paar Auftritte im Fernsehen wahrnimmt.

Deutschlands Superstar oder Germany‘s next Topmodel?

Obwohl die „No Angels“ ein Paradebeispiel dafür waren, dass Castingshows nur für eine sehr kurze Zeitspanne Erfolg mit sich bringen, folgten der ersten Popstars-Staffel noch acht weitere. Trotzdem die Suchkriterien regelmäßig variierten (Girlband, Duett, Trio etc.) und die Gewinner jedes Mal die Charts in rekordverdächtiger Geschwindigkeit stürmten, landeten alle Bands wieder in der Versenkung. Doch anstelle das Format einzustellen oder das Konzept zu ändern, wurden einfach nur noch mehr Castingshows produziert: Deutschland sucht den Superstar wird seit 2002 auf RTL ausgestrahlt und spuckt seitdem Jahr für Jahr unter der herrschenden Hand von Poptitan Dieter Bohlen ein Talent nach dem nächsten aus, das heute leider auch keiner mehr kennt geschweige denn hören will. Ebenso wie das Erfolgsformat Germany’s next Topmodel, welches jungen Nachwuchsmodels seit 2006 die großen Laufstege dieser Welt verspricht. Am Ende verkrachen sich die Gewinnerinnen immer mit dem Klumschen Klan und schlagen einen anderen Weg ein.

Und dann kam Lena Meyer-Landrut

Die 20-jährige Schülerin aus Hannover versuchte im Herbst 2009 ihr Musikerglück bei Stefan Raabs Castingshow „Unser Star für Oslo“, einem Vorentscheid für den Eurovision Song Contest 2010, und gewann das Ding mit ihrem Ohrwurmsong „Satellite“. Und es wurde noch besser: sie holte den Siegerpokal nach Deutschland und löste nicht nur in ihrer Heimatstadt einen unglaublichen Lena-Hype aus. Endlich hatte eine junge Sängerin einen ehrlichen Wettbewerb gewonnen und eroberte verdienterweise die Charts. Doch leider ließ auch hier der Wunsch, Lena singen zu hören und zu sehen, nach nur wenigen Monaten nach. Den Eurovision Song Contest verließ sie in diesem Jahr mit einem guten zehnten Platz, die Konzerte waren trotzdem nicht ausverkauft. Mittlerweile hat Lena bekannt gegeben, dass sie nach ihrer Deutschlandtour im Herbst studieren werde – kluge Entscheidung.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Stimmen, im Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...
Ähnliche Beiträge