Laut Angaben der denic waren 2018 gut 16,2 Millionen Webseiten mit der Endung .de registriert. International betrachtet sollen es sogar knapp eine Milliarde Websites sein, die wir mittlerweile über das Internet erreichen können. Tatsächlich scheint heute beinahe jeder seine eigene Website zu besitzen – sei es das private Meinungs-Blog vom Nachbarn oder etwa die digitale Speisekarte des kleinen Imbisses von nebenan. Aufgrund des breiten Angebotes ist dabei vor allem eine Disziplin immer wichtiger geworden: gutes Webdesign.

Was gutes Webdesign ausmacht

Responsive Webdesign & Mobile First

Anfang der 2000er Jahre spielte das Webdesign noch eine eher untergeordnete Rolle bei der Konzeption und Realisierung von Websites. Dies sollte sich im Verlaufe der Digitalen Revolution drastisch ändern. Mit dem steigenden Wettbewerbsdruck wurde der Ruf nach individuell gestalteten und einzigartigen Sites immer lauter. Als mobile Geräte die Internetfähigkeit erlangten, erreichte dieser Aufschrei seinen Höhepunkt: das Responsive Webdesign war geboren. Gleichzeitig stiegen mit dem Fortschritt in der Technik auch die programmatischen Anforderungen an ein gutes Webdesign.

Suchmaschinengigant Google leitete 2016 die Ära „Mobile First“ ein. So wurde die Mobilfreundlichkeit nunmehr zu einem entscheidenden Bewertungsfaktor für Webseiten, den die Suchmaschine für die Aufstellung ihrer Suchergebnisse hinzuziehen würde. Zeitgleich entwickelte sich ein neuer Trend im Webdesign, der, wenn auch unbewusst, schon lange existierte und doch zu sehr vernachlässigt wurde. Die Rede ist vom Design ganz im Sinne der Benutzerfreundlichkeit – Usability und User Experience (UX) wurden zu wichtigen Bestandteilen guten Webdesigns.

Design trifft Funktion: die Geburt der Web Usability

Dr. Jakob Nielsen gilt als einer der Pioniere im Fachbereich der Web Usability. Seit über 20 Jahren setzt er ich intensiv mit dem Thema auseinander und publizierte bereits mehrere Bücher dazu, die später als Standardwerke eingestuft werden sollten. Er nennt vor allem zwei Vorteile, die ein gutes Webdesign ganz im Sinne der Benutzerfreundlichkeit mit sich bringt: einerseits helfe es Unternehmen dabei, kommerzielle Ziele im Web schneller zu erreichen, andererseits steigere es letztlich den Umsatz – wobei dieser nicht zwangsweise geldlicher Natur sein muss. Auch gesteigerte Lead-Performance kann ein wichtiges Ziel für die Unternehmenspräsenz im Netz sein. Sinnvolles Webdesign arbeitet zielgerichtet darauf hin, Conversions anzutreiben.

Die Erfolgsformel für gutes Webdesign

Welche Gestaltungsprinzipien gelten nun aber für gutes Webdesign? Gibt es gängige Webstandards, die Erfolge versprechen? Dies sind Fragen, denen sich wohl jeder Webdesigner stellen muss. Marc Abromeit, der bereits langjährig für das Webdesign der Werbeagentur blue verantwortlich ist, betont, wie wichtig es ist, bei Design-Entscheidungen besondere Rücksicht auf den Inhalt der jeweiligen Website zu nehmen. Dies deckt sich auch mit der Aussage von Webdesignerin und Buchautorin Manuela Hoffmann, die in es in „Modernes Webdesign“ wie folgt ausdrückt: „Am Anfang des Designprozesses steht immer der Inhalt und nicht etwa das Farbschema oder die Idee, ein dreispaltiges Layout zu verwenden“.

Die eine Wunderformel für gutes Webdesign gibt es demnach nicht. Zu sehr ist das Design der Webseite abhängig von ihrem jeweiligen Zweck. Nichtsdestotrotz gibt es einschlägige Quellen, die vor allem gestalterische Grundprinzipien vermitteln, die gemeinsam mit der UX betrachtet werden sollten. Hilfreich ist zudem auch der Blick auf Bestehendes – Stichwort Konkurrenzanalyse. Mit kritischem Blick sollten erfolgreiche und weniger erfolgreiche Websites von Mitbewerbern in puncto Design miteinander verglichen werden, sodass sich ein Grundverständnis für die Notwendigkeit bestimmter Designlösungen entwickelt.

Neuer Anstrich auf Knopfdruck: WordPress Themes und ihre Kehrseiten

Website-Baukästen und CMS wie WordPress verlocken heute oft dazu, das Ruder der Websitekonzeption und -erstellung selbst in die Hand zu nehmen. Die Gestaltungsmöglichkeiten erscheinen förmlich unbegrenzt, die Auswahl an verfügbaren Themes (wie einzelne Designtypen genannt werden) ist riesig. Das Ergebnis der hohen Nachfrage: digitale Marktplätze für WordPress Themes & Co. boomen.

Doch hat diese Entwicklung auch eine Kehrseite. Wer sich für eines der verfügbaren Fertig-Designs entscheidet, muss in Kauf nehmen, dass auch andere Webseiten sich mit demselben Design schmücken werden. Dies wiederum kann zum Verlust einer Markenidentität oder des generellen Corporate Designs führen, was bedeutet, dass man nunmehr in der Masse aller 16,2 Millionen deutschen Websites als „einer von vielen“ untergeht. Die Alternative liegt dabei auf der Hand: die Gestaltung der Website auslagern und im besten Falle Profis mit langjähriger Erfahrung überlassen.

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