Durch die Einführung der Ansichtskarte Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine völlig neue Art der Kommunikation geschaffen, wie es sie bis dahin noch nicht gegeben hatte. Und dies zu einer Zeit, zu der es noch keinen Fernseher gab und die Fotografie noch in den Kinderschuhen steckte.

Eine leere Ansichtskarte wirkt wenig verlockendAnsichtskarten erscheinen einem im Zeitalter des Internets beinahe schon wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. Doch wer von uns freut sich nicht über Urlaubsgrüßen von Freuden und Verwandten in Form einer Postkarte? Und auch alte Ansichtskarten und Postkarten erleben gerade in unserer heutigen digitalisierten Welt ein wahres Revival. Interessierte und Sammler können auf diversen Internetseiten auf die Suche nach neuen Motiven und Karten gehen, um ihre Sammlung zu erweitern. Doch wann und wie entstand eigentlich die Ansichtskarte?

Die ersten Korrespondenzkarten

Bereits im Jahr 1886 hatte der Postrat Heinrich von Stephan die Idee, Postkarten ohne Umschlag zu verschicken. Bei der preusischen Postverwaltung stieß dieser Vorschlag jedoch zunächst auf Ablehnung, da man hierin einen Angriff auf die Privatsphäre sah. Nur vier Jahre später wurde in Österreich die so genannte „Correspondenzkarte“ eingeführt, eine offene Postkarte ohne Bildaufdruck. Innerhalb der Bevölkerung stieß der öffentliche und für jeden lesbare Versand von Mitteilungen zunächst auf heftigen Protest.

Nachdem Heinrich von Stephan im Jahr 1870 zum Generalpostdirektor des Norddeutschen Bundes ernannt wurde, führte er seine „Korrespondenzkarte“ ein. Am 16. Juli des selben Jahres wurde zum ersten mal eine bedruckte Korrespondenzkarte verschickt. Der Hofbuchändler August Schwarz verschickte eine derartige Karte, nachdem er sie mit dem Foto eines Kanoniers bedruckt hatte. Diese Karte, die Schwarz zu seinen Schwiegereltern nach Magdeburg schickte, gilt allgemeinhin als die erste Ansichtskarte.

Nachdem am 19. Juli 1870 der Deutsch-Französische Krieg ausbrach, bewährte sich das neue Medium als Kommunikationsmittel. Viele Soldaten hielten über Postkarten Kontakt zu ihrer Familie. Die so genannten Feldpostkarten wurden sogar kostenlos zwischen Front und Heimat befördert.

Ansichtskarte etabliert sich

Die Ansichtskarte entwickelte sich schon in kurzer Zeit zum großen Verkaufsschlager und verbreitete sich in kurzer Zeit im gesamten deutschen Reich. Bereits in den erste zwei Monaten nach der Einführung wurden über zwei Millionen Karten verkauft. Ab 1885 durften private Verleger im Deutschen Reich offiziell Bildpostkarten produzieren. Damit konnten Postkarten und Ansichtskarten industriell und in großer Stückzahl produziert werden und schnell konnte sich Deutschland eine Vormachtstellung in der Produktion und Verbreitung von Postkarten erwerben. Allein 1899 wurden mehr als 88 Millionen Ansichtskarten in Deutschland produziert. Zeitgleich mit dem Wachstum der Postkartenindustrie verbreitete sich zunehmend die Sammelleidenschaft in der Bevölkerung. In den 1890er Jahren entstanden die ersten Sammelvereine und Sammelzeitschriften – einige von ihnen existieren bis in die Gegenwart.

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